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Was hat Corona alles mit Kunst und Kultur gemacht?

 

Epidemien sind immer wieder in der Geschichte der Menschheit aufgetreten und haben sich weitgehend auf sie ausgewirkt. Sie haben auf der einen Seite Angst und Sorge, Leiden und Tod mit sich gebracht, aber auch auf der anderen Seite zur Weiterentwicklung des menschlichen Wissens über das Dasein und seinen Erhalt beigetragen. Sie haben dazu angeregt, hinsichtlich Natur und Dasein umzudenken. Entsprechend des Umfanges ihrer Auswirkungen haben sie manchmal eine verblüffende inspirierende Wirkung auf die Schriftstellertätigkeit und die Philosophie und Kunst gehabt.  

Viele Künstler und Literaten haben in Epidemien ein Thema für die Schaffung eines Kunst- oder Literaturwerkes gesehen und im Rahmen eines solchen Werkes über ernsthafte Fragen des menschlichen Lebens wie Sein oder Nicht-Sein sinniert und menschliche Werte deutlicher gemacht  Einige Philosophen haben  Epidemien als Gleichnisse genutzt, um philosophische Inhalte darzulegen.

Der Ausbruch von Corona Ende 2019 weltweit hat die Menschheit erneut mit einer Situation konfrontiert, deren Folgeerscheinungen über die Medizin und das Gesundheitswesen hinausgehen. Covid 19 hat die Studien der Philosophie, Religion, Wirtschaft, Politik, Kultur, Kunst und Soziologie verändert. Dieser Virus hat den modernen Menschen ernsthafte Herausforderungen gegenübergestellt.  Von den einfachsten Regeln sozialer Beziehungen bis zu so abstrakten Begriffen von Leben und Tod.

Viele politische, gesellschaftliche und kulturelle Ereignisse sind nach Ausbruch von Covid 19 eingestellt worden, wie Ausstellungen und Festivals. Kino-, Theater- und Konzertsäle wurden geschlossen, ebenso wie Bibliotheken und Buchhandlungen. Darunter haben der Weltmarkt und die Wirtschaft der Länder  gelitten,  unter anderem im Kulturbereich.

Gemäß einem Bericht der in London erscheinenden Zeitung Guardian sind die Tätigkeiten in europäischen  Kulturbereichen wie Film, Fernsehen, Radio, Musik, Publikationen, Videospiele sowie Theater- und Darstellungskünste im Jahre 2020 im Vergleich zu 2019 um 31 Prozent zurückgegangen. Außerdem hat der Fremdenverkehrssektor  27 Prozent weniger Einkünfte zu verzeichnen gehabt.

Der Bericht, auf den die Guardian sich stützt, ist das Ergebnis einer Forschungsarbeit, die im Auftrag von Organisationen zum Schutz der Rechte von Schriftstellern und Künstlern Europas durchgeführt wurde. Er zeigt, dass nur  noch  der Schaden der  europäischen Flugindustrie, deren Einkommen im  vergangenen Jahr wegen der Reisebeschränkungen um 31,4 Prozent zurückging, den Schaden, den der Kultur- und Kreativsektor hinnehmen musste, übersteigt. 

Gemäß diesem Bericht befand sich  der europäische Kultur- und Kreativsektor  im Jahre 2019 vor Beginn von Corona  in einer großen  Aufschwungsphase. Er beschäftigte mehr als 7 Millionen und 600 Personen und machte einen Anteil von circa  4,4 Prozent des europäischen  Bruttoinlandsproduktes aus.

 

Ein Leiter des Forschungsprojektes bestätigt, dass mit Ausbruch von Covid 19tausend Kultur- und Kunststätten schließen mussten.  Der Kultursektor sei der erste  Sektor der  seine Tätigkeiten nach Ausbruch der Pandemie suspendieren musste gewesen und werde  wahrscheinlich auch der letzte sein, der sie wieder uneingeschränkt aufnehmen kann.  Besonders das Einkommen der darstellenden Künste und der Musik seien der Reihe nach um 90 bzw. 76 Prozent  gesunken. In den Bereichen Bildende Kunst, Literatur, Presse, Kino und Fernsehen habe es einen Rückgang der  Einkünfte um 20 bis 40 Prozent gegeben. Nur der Bereich Computerspiele habe einen 9prozentigen Zuwachs bei der Kapitalumschlagshäufigkeit erzielt.

Die rasche Schließung von Kino-, Theater- und Konzertsälen sowie Museen und die Absage von Sommerfestivals , die der Vorstellung von jungen Talenten  dienten, haben diesem Teil des Kultursektors überall auf der Welt erheblich geschadet und die Folgen werden noch bis in einigen Jahren spürbar sein. In dem Bericht den Guardian über die Folgen von  Corona hieß es weiter, es bestehe die Gefahr, dass gemeinsame Investitionen in neue Projekte  vernichtet würden, falls nicht die früheren Aktivitäten in der Produktion, Verteilung und der live-Ereignisse möglichst bald wieder aufgenommen werden.   Bei Umfragen hieß es  jedoch, dass 46 Prozent derjenigen, die ansonsten an Konzertbesuchen interessiert sind, lieber einige Monate oder sogar einige Jahre auf ein solches Kulturereignis verzichten und sich von größeren Menschenmengen fernhalten möchten.    

Experten mahnen, dass die Staaten die notwendigen finanziellen Quellen für die Wiederbelebung der Kultur- und Kreativindustrie besorgen und den Privatinvestoren diesbezüglich Anreize geben müssen,  da der Kultur- und Kreativsektor bislang noch nie  mit einer solchen wirtschaftlichen Zerstörung konfrontiert war und die  Krise schwerwiegende Folgen haben wird.

Aber die Krise hat wie vieles andere nicht nur negative Seiten.

Corona hat bewiesen, dass die Bekämpfung einer Bedrohung die in diesem Weltdorf in irgendeinem Winkel entsteht, zu einem konstruktiven Austausch führt. Dieser Austausch wiederum zieht eine effektive Zusammenarbeit, frei von Unilateralismus und Überlegenheitsbestrebungen, zwischen den Völkern nach sich.

Wenn von Kultur und Kunst, Literatur und Lektüre gesprochen wird, rücken politische Grenzeinteilungen und Übereifer in den Hintergrund und es bilden sich unvoreingenommene Urteile heraus. Es öffnet sich ein neues Fenster für die Welt.

Einst hat  der kanadische Kommunikationstheoretiker  Marshall McLuhan vorhergesehen, dass sich die Welt in ein kleines Dorf verwandeln wird und scheinbar sind inzwischen die Bedingungen dafür gegeben. Denn mit der Weiterentwicklung der  modernen Kommunikationstechnologie und dem Internet ist das Weltdorf  zu einem internationalen Dorf für Kommunikationen und Nachrichten geworden. Wir sind Zeuge, dass die zeitlichen und örtlichen Schranken durchbrochen werden.  Alle können über die Grenzen hinweg  miteinander in Verbindung treten. Keiner hätte anfangs gedacht, dass Covid 19 soviel Änderungen und Gefahren mit sich bringt und zugleich eine Chance für den Ausbau einer Welt ohne Grenze für Kunst, Kultur, Literatur und Lektüre bietet.

In der Zwischenzeit haben sich alle Menschen auf der Welt einer gemeinsamen Kultur- und Sozialleben genähert. Die Strategien konzentrieren sich verstärkt in Richtung  Weltebene. Während  zum Beispiel zuvor viele Kongresse, Festivals  und Programme lediglich auf eine Stadt lokalisiert waren, hat sich nun ein internationaler Kommunikationsraum herausgebildet und die meisten Programme haben zumindest einen nationalen wenn nicht internationalen Charakter.

In dieser Krisenzeit sind die Menschen  einer Veränderung des Lebensstils begegnet.  Eine der wichtigen Veränderungen, die beobachtet wurden, ist die veränderte Art der Nutzung von Medien.

Eine weitere neue Gelegenheit, die Corona hervorgerufen hat, ist die Kommunikation mit Persönlichkeiten aus der Kultur, zum Beispiel mit bekannten Autoren überall auf der Welt. Die erstaunlichen  Fortschritte der Kommunikationstechnologie haben sich ebenso anhand zahlreicher On-line-Kongresse über spezielle Themen gezeigt, an denen Fachkundige aus aller Welt von ihrem Domizil aus teilnehmen.

Viele Tätigkeiten von Gruppen und sozialen Einrichtungen haben neue Formen angenommen. Man werfe einen Blick in den Cyberraum!  Einzelne oder Gruppen veröffentlichen im Internet Musik nach ihrem eigenen Geschmack oder stellen ein Buch vor. Oder die Anwender geben Anleitung zu ausgefallenen Masken für den Gesichtsschutz, oder  sie teilen mit anderen Anwendern ihre Erfahrungen über die Impfung gegen Covid 19.

Die Eltern unterstützen ihre Kinder auf neue Weise im Lernprozess.  Menschen, die bislang dem Cyber-Raum ferngeblieben waren,  haben nun das Kommunikation-Weltdorf betreten, um nicht im Bildungsprozess zurückzubleiben. 

Keinem von uns sind Begriffe wie on-line-Unterricht, Webinar, on-line-Lehrgang  noch fremd. Kurzum, die Welt in der wir heute leben, ist parallel zu der Pandemie Corona anders geworden. Unter diesen Bedingungen haben der Internet-Handel und das Home-office einen großen Aufschwung im Weltdorf erfahren.

Die Pandemie hat bewiesen, dass wir im Zusammenhang mit  der Gefahr, ihr zum Opfer zu fallen, oder der Chance ihr  mit heiler Haut zu entkommen, wie Mitglieder einer großen Familie sind. Also sollten wir so gut wie möglich diese Gelegenheit nutzen, um unsere Beziehungen und unsere Zusammenarbeit zu stärken.  Die Rettung dieses Weltdorfes wird durch effektive, vorurteilsfreie  Zusammenarbeit zur Rettung jedes einzelnen  Menschen möglich sein.  Wir alle haben nun mehr als 15 Monate auf eine neue Art und Weise hinter uns gebracht, in der Absicht die Welt zu schützen.

Bericht: Parstoday

 


11:50 - 12/07/2021    /    Nummer : 771221    /    Anzahl Zahl : 71