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Was hat Corona alles mit uns gemacht? (in der Musik)

 

Vor einigen Monaten galt die Quarantäne als eines der wirksamsten Mittel zur Eindämmung der Pandemie, mit deren Eintreten niemand im 21. Jahrhundert gerechnet hatte. Während der Quarantäne war viel Betrieb in den Sozialnetzen  und die Anwender versuchten die Zeit, in der sie das Haus hüten mussten, richtig zu nutzen und erträglicher zu gestalten, indem sie sich  gegenseitig auf Lektüre, Musikstücke und Filme aufmerksam machten.   

Auch Künstler blieben nicht untätig. Sänger und Musiker, die, wenn  Corona nicht gewesen wäre, in dieser und jener Stadt in einem Konzernsaal aufgetreten wären, nutzten die sozialen Netzwerke um on-line ihre Anhänger musikalisch zu unterhalten.

Eine interessante Kampagne war der Aufruf an Künstler, von ihrem Fenster oder dem Flachdach ihres Hauses aus, Musik zu machen,  ein Video von ihrer Vorführung ins Internet zu stellen und die Menschen, die zuhause in Quarantäne waren, zu erfreuen. 

Nicht nur die Einkünfte aus Konzerten schrumpften auf ein Drittel sondern auch der Verkauf von CDs mit Musik sank um circa 11 Prozent. Aber auch die Gewohnheiten der Musikfreunde änderten sich. Laut eines online- Musikunternehmens haben sie vor allen Dingen im Fernsehen und auf ihren smart-phones Musik gehört. Auch der Geschmack scheint sich geändert zu haben und das Publikum zieht inzwischen mehr als zuvor ruhige Musik vor. 

Wegen dem weitgehenden Verbot von Versammlungen, treten inzwischen die Künstler über Twitter, Instagram und über weitere Kanäle direkt von zuhause aus mit ihren Fans in Verbindung.

Es wurden neue Einkommensquellen für die Künstler geschaffen wie kostenpflichtige Livestreams. In China wurde ein Internet-Musik-Programm entworfen, wo 80 Prozent der Künstler ihr Einkommen um bis zu 50 Prozent steigern konnten. Einige Künstler erklärten, dass sich ihr Einkommen auf diese Weise sogar verdoppelt hat. Für Musiker, Verleger und Produzenten haben sich also neue Möglichkeiten aufgetan, um mit ihrem Publikum zu kommunizieren. Das kann langfristig die Musikindustrie erhalten und das Einkommen von Musikern verbessern.

In anderen  Teilen der Welt können auf Plattformen Künstler nicht nur ihre Musik führen sondern neben dem Kontakt mit den Interessenten auch Inhalte mit ihnen teilen. Daran verdienen sie zwar nichts  aber indirekt nützt es ihnen finanziell etwas.

 

Während der Pandemie haben viele Musiker keine Alben sondern Einzel-Musikstücke –Single Tracks – herausgegeben  und sie im Cyber-Raum veröffentlicht.

Die Geschichte der Tonträger hat bei den ersten  Schallplatten begonnen, die nur ein Lied oder Musikstück aufnehmen konnten. Man versuchte Tonträger mit mehr Speicherplatz zu entwickeln: Die Tonbänder.  Dann kamen die Tonkasetten auf den Markt, die Aufnahmen von 60 bis 90 Minuten speichern konnten. Ihnen folgte die Produktion von Musik auf CDs die wieder weniger Spiellänge hatten, nämlich  35 bis 40 Minuten und dann wurde eine digitale Möglichkeit entwickelt, mit der der Musiker sein Werk quasi in 3 Minuten dem Interessenten zur Verfügung stellen und dieser es aus dem Internet herunterladen kann.

In einigen Teilen der Welt wurde der Musikindustrie dank starker finanzieller Unterstützung   in etwa unter die Arme gegriffen, wie durch die Unterstützung von internationalen Organisationen z.B. die UMG (Universal Music Group Live Nation Entertainment) und von mächtigen On-line-Vertrieben für Musik. Auch Abnehmer leisteten finanzielle Hilfe.  

Viele Musikvertriebe haben einen Mechanismus eingerichtet, mit dem  Kunden Musiktalente  finanziell unterstützen können oder ihnen in harten Zeiten die Gebühr für das Copyright  zinslos vorgestreckt wird.

Einige Regierungen haben auch Hilfspakete für alle Wirtschaftssektoren vorgesehen, die durch Corona Einbußen gemacht haben, und viele, die in Kunst und Kultur und in den Medien beruflich tätig sind, haben auf diese Weise Unterstützung erhalten.  

Ardawan Dschafariyan, ein iranischer Musikproduzent,  Verleger,  Forscher und Direktionsmitglied im internationalen Musikgremium der UNESCO sagt mit Hinweis auf die ungünstigen Verhältnisse des Musikmarktes nach Ausbruch von Corona:

„Es sollte unter diesen Umständen  zu den Pflichten einer Regierung gehören, Lehrer und Meister auf dem Gebiet der Musik  zu unterstützen, die durch Schließung ihrer Ausbildungsstätten praktisch ihre Einkommensquelle verloren haben. Die Ausbreitung von Covid 19 hat viele auf der Welt völlig überrascht und kein Land war auf diesen ungebetenen Gast vorbereitet. Also sind es kurzfristige Strategien, die der gefährdeten Kultur- und Kreativwirtschaft zur Hilfe eilen müssen.  Meiner Überzeugung nach  müssen diese Unterstützungen bei den Musik-Lehrinstituten und denen beginnen, die keine live-Konzerte veranstalten können.“ 

Experten sehen voraus, dass die Musik nach der Corona-Krise einen großen Sprung nach vorne machen wird. Sie sagen, zwischendurch seien die Aktivitäten auf dem Gebiet der Musik zwar nach außen hin eingestellt worden, aber  die Situation verberge in sich eine  sehr gute Chance für die Künstler neues und besseres zu kreieren.

Die Kunst, hier speziell die Musik,  wird - nachdem Corona erfolgreich bekämpft wurde - erneut eine Renaissance erfahren. Die Musiker sind vor Ausbruch der Corona im Laufe eines jeden Jahres vor allem mit der Planung und  Veranstaltung von Konzerten beschäftigt gewesen und hatten weniger Zeit darüber nachzudenken ihre Werke inhaltlich zu bereichern und zu verbessern. Sie hatten weniger Gelegenheit  den  Publikumsgeschmack näher zu untersuchen und sich mit den Anhängern auszutauschen. Aber in der Coronazeit haben viele Künstler  einen besseren Kontakt zu ihren Anhängern herstellen können  und diese Kommunikation trägt dazu bei, dass sie den Widerhall ihrer Musik im Publikum besser kennenlernen. Daher wird sich ihre Kunst später qualitativ verbessern, was sich von alleine positiv  auf die Musikwirtschaft auswirken wird. Natürlich kann es sein, dass einige dieser Künstler aus finanziellen Gründen mittlerweile einen anderen Beruf ergriffen haben und nicht mehr als Musiker tätig werden. Aber die professionellen Künstler werden sicherlich ihrer Tätigkeit auch in Zukunft nachgehen, und zwar noch ernster als vorher.

Trotz aller positiven Maßnahmen auf dem Musiksektor, wird  es bestimmt in der Zeit nach Corona noch Probleme für die live-Musikaufführungen und Konzerte geben. Es wird nicht so einfach sein, das Publikum zurückzugewinnen. Trotz der Impfungen und der Prognose, dass  in absehbarer Zukunft ein  Großteil der Bevölkerung  gegen Covid 19 immun geworden ist, wird  gemäß Umfragen die Hälfte der Bevölkerung vorläufig nicht zum Besuch von  Kino- und Konzertsälen  oder open-air-Konzerten nach deren Wiedereröffnung bereit sein. Das hat natürlich für die Künstler Folgen, denn zwei Drittel ihres Einkommens  beziehen sie aus den live-Veranstaltungen. 

Schließlich darf aber nicht vergessen werden dass nach Ansicht von Ärzten  Hoffnung einflößende, fröhliche und entspannende Musik dem Stress aufgrund der Pandemie  entgegenwirken und das Immunsystem gegenüber Corona und anderen Krankheiten  stärken kann. Wir sollten also diese Kunst nutzen.

Bericht: Parstoday

 


13:59 - 13/07/2021    /    Nummer : 771282    /    Anzahl Zahl : 80